Die Clus-Pastoren
In vorreformatorischer Zeit "sind in dem Papstthum allhie drey geistliche Personen, nemlich ein Primarius und zween Diaconi gewesen / welche vom Closter St. Laurentii hieher gesetzet worden / und den Gottes-Dienst in der Stadt-Kirchen Sankt Vincentii, im Ostendorf in der St. Nicolai, und dem zu Unser lieben Frauen im Nord-Thal verrichtet / und von dem Closter ihre Speisen täglich bekommen / oder nach Belieben dahin zu Tisch gegangen".
"Als aber das Papstthum abgeschaffet und durch gottes Gnade die Reformation erfolget / hat das Closter St. Laurentii den Lutherischen Prediger / als welcher eine Haushaltung geführet / nicht mehr unterhalten wollen / in Betracht / daß der Propst des Closters Päpstlich geblieben."
Damit aber der erste lutherische Prediger M. Lazarus Arnoldi (1570) seinen Unterhalt haben konnte, wurde ihm Land von der Ratsclus überlassen. Als eine Art Gegenleistung besteht seit dieser Zeit die Verpflichtung der Clusbewohner, an den Sonn- und Feiertagen zum Gottesdienst in die Stadtkirche nach Schöningen zu gehen. Lange Zeit wurde übrigens der Claus-Pfarrer von der jeweiligen Herzogin vorgeschlagen. Weilte keine Fürstin auf dem Schloss, unterbreitete der regierende Herzog selber dem Consistorium (hier: fürstl. Versammlung von Räten) den Vorschlag für die Benennung. Ein theologisches Studium wie heute war offenbar nicht notwendig, es kam auf die nachzuweisende Eignung an. So schlug am 11.02.1635 die Herzogin Anna-Sophie den Erzieher (Preacetor) des Marschalls Heinrich Wendt vor. Am 26.02.1635 reicht das Consistorium den Vorschlag an die theologische Fakultät in Helmstedt weiter und schon am 04.03.1635 lag das Examensprotokoll vor. Kurz darauf folgte die Einführung in der Clus. Wendt war dann nur drei Jahre Pfarrer an der Clus. Er starb 1679 in Hötensleben.
Sehr viel länger war Joachim Conrad Brandes (1666-1715) Pfarrer der Clus, nämlich vom 1692 bis 1715. Sein Epitaph vom Clus-Friedhof steht bei uns in der Clus-Kirche. Die Inschrift ist dort nachzulesen. Er heiratete 1695 Anna Marie Goldahmer. Da Brandes bereits mehrere Jahre vor seinem Tode kränklich war, erhielt er 1712 zu seiner Unterstützung Heinrich Andreas Bosse, der dann aber bald als Pastor nach Ölper (bei Braunschweig) versetzt wurde. An seine Stelle trat Johann Gottfried Gittner, der dann ein Jahr später die Stelle von Brandes übernahm. Für die Witwe des verstorbenen Clus-Pastors Brandes waren weder Mittel zum Lebensunterhalt noch eine Witwenwohnung vorhanden. Auf Vorschlag der Kirchenvisitatoren und mit Genehmigung des Consistoriums wurde ihr eine halbe Pröbe (Zugabe, Wert etwas mehr als 11 Thaler; Pröbnerinnen wurden die Bewohner der Clus genannt) in der Fürstlichen-Cammer-Clus bewilligt. Später wurde den Clus-Pastoren Witwen ein kleines Gartenstück bei der Clus kostenlos zur Verfügung gestellt.
Aufgaben, Verpflichtungen und Unterhalt der bisher 54 Pastoren der Clus waren sehr wechselvoll wie ihre Schicksale auch.

