Die Fürstliche-Cammer-Claus
Als 1542 die Truppen des Grafen von Mansfeld in die Stadt einrückten, waren nur noch wenige Nonnen in der Clus.
Um 1568 bezog die Herzogin Sophie das Schloss. Sie trat zur lutherischen Lehre über und errichtete in den leer gewordenen Räumen des Klosters ebenfalls ein Armenhaus (wir würden es heute Altenheim nennen), die Fürstliche Claus.

Das schon sehr alte Gebäude drohte bald einzufallen. Die Herzogin Elisabeth, die Spenderin unseres Altars und der Kanzel, ließ es 1623 abreißen und an ihrer Stelle eine neue Fürstliche-Cammer-Claus (...ein gantz neues Gebäude oder Cammern...) errichten. In einem Ausschnitt eines Merianstiches von 1652 ist die Kirche und dieses neue Armenhaus zu sehen.
Der zweigeschossige Bau erstreckte sich von West nach Ost mit einer Länge von 35,5m und einer Breite von 10m. Im Westen lag die Pfarrwohnung, im Mitteltrakt befanden sich insgesamt 18 Kammern für die Pröbener, die Almosenempfänger. Nach Osten zu befanden sich die zugehörige Küche, Keller und Krankenstube. Eine gemeinsame Stube gab es ebenfalls. In den Notjahren des 30-jährigen Krieges fehlte es an den notwendigen Mitteln für die Bauunterhaltung. Vom Verfall am schwersten betroffen war die Wetterseite, also die Pfarrwohnung. Der Inspekteur Carl Aug. Funke befand 1746 den Zustand der Schorn-steine so besorgniserregend, dass er dem "Prediger" untersagen musste, ein Feuer zu machen. Trotzdem musste der damalige Cluspastor Pauli noch bis 1748 in diesen Räumen ausharren, bis er eine Wohnung Am Neuen Tor Nr. 24 beziehen konnte. Deshalb gab es, wie aus dem Lageplan von 1776 ersichtlich, den Entwurf eines Neubaus. Zwischendurch wurde die Westseite abgestützt. Als sich der Schornsteinfeger weigerte, wegen Einsturzgefahr das Dach zu betreten, entschloss man sich 1800, das ganze Gebäude abzureißen und ein neues Altenheim zu errichten. Wegen der napoleonischen Kriege kam es nicht mehr zu einem Neubau. So wurde 1809 nach fast zweihundert Jahren das Gebäude endgültig abgerissen.
Da gab es aber noch das Pfarrhaus von 1753. Ein Pfarrer wohnte darin nicht, und so zogen die wenigen Bewohner einfach in das Pfarrhaus um, das von nun an auch den Namen Fürstliche-Cammer-Claus übernahm.

Das Bild zeigt uns einen harmonischen Bau. 1852 wurde ein weiteres Stockwerk aufgesetzt, die wohlabgewogenen Maße gingen verloren. 1944 wurde die Cammer-Clus in ein Hilfswöchnerinnenheim umgewandelt. Sie stand zwischen dem heutigen Pfarrhaus und dem Gemeindehaus und wurde 1963 bei deren Bau abgerissen.

