von Elmira Sandhaus-Khalili
"Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Johannes 3,16a
Noch vor sechs Jahren war das für mich unvorstellbar. Es war schon eine ungeheuerliche Sünde, überhaupt darüber nachzudenken! Ich bin in Teheran (Iran) geboren und aufgewachsen. Geprägt wurde ich vom Islam, was sich nicht vermeiden lässt, wenn man im Iran heranwächst.
Je älter ich wurde, desto mehr habe ich angefangen über den Sinn meines Lebens nachzudenken. Ich habe zwar schon immer an Gott geglaubt, aber erst später habe ich begonnen, mich bewusst damit zu beschäftigen. Nach den strengen Regeln im Islam versuchte ich mein Leben auszurichten. Dazu gehörten u.a. fünfmal am Tag beten, 30 Tage fasten, Kopftuch tragen und an verschiedenen religiösen Veranstaltungen teilzunehmen. Merkwürdig war nur, dass ich trotz all dieser religiösen Leistungen weder Frieden in meinem Herzen, noch wirkliche Freude am Leben hatte.
Da meine Familie und meine Freunde eine sehr große Rolle in meinem Leben spielten, habe ich die fehlende Freude bei ihnen gesucht. Ich hatte liebevolle Eltern und viele Freunde. Mir ging es gut, da ich treue Begleiter hatte! Darauf hatte ich mein Leben gebaut.
Und dann kam der Wendepunkt. Kaum 18 Jahre alt hieß es: Wir müssen unsere Heimat verlassen. In diesem Moment ist meine Welt zusammengebrochen. Es wurde noch schlimmer, als meine Brüder und ich erfuhren, dass wir als Familie nicht zusammen ausreisen könnten. Also blieben meine Mutter und mein kleiner Bruder im Iran, während ich mit meinem Vater und meinem großen Bruder versuchte, nach Deutschland zu kommen.
Wir sind hier angekommen, ohne Freunde, die Familie auseinander gerissen und dazu noch ohne Sprachkenntnisse... Das war der Beginn einer harte Zeit. Mein Vater hat die Trennung und die Ungewissheit nicht verkraftet und ist mit der Zeit aggressiv geworden. Infolgedessen hat sich mein Bruder von seiner Außenwelt zurückgezogen. Ich habe angefangen, meinem Vater ständig Vorwürfe zu machen, was unsere Beziehung sehr belastet hat. Während dieser Zeit habe ich ein Mädchen aus meiner Heimat kennen gelernt. Eine Christin. Wenn es nach den Regeln des Islam geht, hätte ich mit ihr nichts zu tun haben dürfen. Aber sie hatte etwas Besonderes an sich: Obwohl sie sich in einer schlimmeren Lage als ich befand, ging sie ganz anders damit um. Sie hatte eine Liebe in sich, die mich faszinierte. Als sie angefangen hat von Jesus und von der Liebe Gottes zu erzählen, wollte ich davon rein gar nichts wissen. Schließlich wollte ich nicht in die Hölle! Sie hörte auf, mit mir über ihren Glauben zu reden, schenkte mir jedoch eine Bibel, die ich zunächst aus reiner Höflichkeit annahm. Später erfuhr ich, dass sie nie aufgehört hatte, für mich zu beten.
Nun ja. In meinen einsamen, traurigen Nächten habe ich irgendwann doch zur Bibel gegriffen und begonnen, darin zu lesen. Auch wenn ich damals nicht viel vom Gelesenen verstand, breitete sich eine immer größere Ruhe in meinem aufgewühlten Herzen aus. Ich begriff bloß nicht, warum!
Etwa ein Jahr später bin ich in einer persischen Gemeinde in Hildesheim gelandet. Dort habe ich Menschen kennen gelernt, die von der Liebe Gottes und seiner Gnade erzählt haben. Eine völlig neue Welt für mich. Zunächst hat mich das völlig verwirrt und ich hatte keine Ahnung, was die Wahrheit ist?! Doch dieser Gott hat mich durch sein Wort und durch Menschen, die mir begegnet sind, angesprochen. Er hat mich mit seiner Liebe umgehauen. Später habe ich ihm mein Leben gegeben. Eine Entscheidung, die mein Dasein verändert hat. Ich hatte eine echte Beziehung zu Gott frei von Leistungsdruck und frei von Schuld und habe in der Clus-Kirche ein neues Zuhause gefunden.
Viel hat sich danach verändert: Mein Vater hat sein Leben unter Jesu Herrschaft gestellt und meine Mutter gesund mit dem Rest der Familie in Deutschland angekommen schloss sich ihm an. Das war ein echtes Wunder, denn sie standen einst noch mehr hinter dem Islam als ich.
Bei Jesus habe ich die Freude am Leben gefunden, die ich immer gesucht habe. Er hat mich, meine Familie, mein ganzes Leben verändert. Er hat mich überzeugt, denn er ist für mich gestorben, bevor ich ihn kannte!




